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Aktuelle Forschungsprojekte

Wohlsign – Mehr Tierwohl durch die Nutzung von Tiersignalen

Forschungsteam Prof. Dr. Gerald Reiner, Christoph Mülling und Mirjam Lechner
Einrichtung Justus-Liebig-Universität Giessen, Fb 10 Veterinärmedizin
Finanzierung Gesamtkosten: 123.853 Euro

Zusammenfassung und Arbeitshypothese

Besonders Tränke, Futter und Thermoregulationzählen zu denwichtigsten Faktoren für die Entstehung von Nekrosen und Kannibalismus im Zusammenhang mit unkupierten Ringelschwänzen beim Schwein. Gemeinsamer Ansatzpunkt ist die Überlastung interagierender Stoffwechselelemente. Neue und alte Tiersignale zusammen mit Stoffwechselparametern sollen eine stufenweise Heranführung von Betrieben mit Systemversagen, über die Zwischenstufe 2/3 kupierter Schwänze an die Ringelschwanzproduktion erlauben. Zu erhebende und zu quantifizierende Zusammenhänge zwischen prognostisch einsetzbaren Tiersignalen und Stoffwechselparametern gemeinsam mit einem bereits etablierten „Notfallkoffer“ werden dieses Unterfangen mit maximaler Risikominimierung unterstützen. Am Ende sollen nicht nur neue, wertvolle Erkenntnisse zur Genese von Nekrosen und Kannibalismus stehen, sondern auch ein Motivations- und Coaching-Konzept, das erlaubt, die Eigenverantwortlichkeit und die Umsetzbarkeit durch den Landwirt zu entwickeln. Die Kosten für den notwendigen zusätzlichen Material- und Arbeitsaufwand werden durch den Start der neuen Tierwohl Initiative und durch eine verbesserte Tiergesundheit und Leistung mindestens teilweise aufgewogen.

Der bestehende Anpassungsdruck überfordert die Schweine in der modernen Tierhaltung, weil ihre elementaren Grundbedürfnisse nicht in ausreichendem Maße befriedigt werden. Dabei zeigen sich konventionelle und ökologische Haltungen gleichermaßen betroffen. Unbefriedigtes Erkundungsverhalten und Stress beim Aggressor und durch mikrobielle Abbauprodukte hervorgerufene Nekrosen beim gebissenen Schwein sind die eigentlichen Auslöser von Ohr- und Schwanzbeißen, die zentral von der Nichtverfügbarkeit von Raufutter beeinflusst werden. Art und Darreichung von Futter und Wasser sind eine Kompromisslösung zwischen Leistungszwängen und Arbeitsaufkommen einerseits,sowie den artspezifischen Gegebenheiten des Verdauungstraktes und des natürlichen Verhaltensinventars der Schweine. Durch eine bessere Magen-Darm-Gesundheit und Sättigung (Einspeichelung, Ballaststoffe), durch Beschäftigung mit der Futteraufnahme (inkl. Befriedigung des Kaubedürfnisses) und ausreichend Versorgung mit Mineralien und Nährstoffen sowie sauberem, schmackhaftemund unbelastetem Tränkwasser wird die Überforderung so weit abgemildert, dass die Stoffwechselüberlastung soweit zurückgedrängt werden, dass die Produktion von Ringelschwänzen möglich wird. Diese Hypothese soll durch eine dreistufige Feldstudie mit Vergleich der je Betrieb günstigen mit den ungünstigen Krankheitsverläufen untersucht werden. Eine Betrachtung möglicher genetisch bedingter Unterschiede in der Prävalenz des Schwanzbeißens kann im Rahmen der vorliegenden Skizze nicht mit berücksichtigt werden, weil in Boxberg nur eine Genetik gehalten wird und im Rahmen der Feldforschung die Effekte zwischen Genetik und Betriebsumwelt nicht getrennt werden können, weil auch dort jeweils nur eine Genetik gehalten wird. Die erhobenen Daten werden allerdings für spätere Metastudien zur Berücksichtigung der Genetik zur Verfügung stehen.

Die Ziele

Mit dem beantragten Forschungsvorhaben sollen im Wesentlichen zwei Ziele erreicht werden:

A) Ätiologische Aufklärung der für die Entstehung kritischer Tiersignale (Klauenveränderungen, Schwanznekrosen) verantwortlichen Stoffwechselaberrationen; Etablierung der Art der beobachteten Klauenveränderungen bei Saug- und Absetzferkeln

B) Verbesserung der Ringelschwanzproduktion durch Beachtung von Tiersignalen; Etablierung eines Motivations- und Coachingkonzeptes für eine bessere und eigenverantwortliche Umsetzung der Ringelschwanzproduktion durch den Landwirt

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