Kreislauforientierte Nutztierhaltung

Während des Bühnentalks erörterten (v. l.) Armin Laschet, Clemens Tönnies und Alois Rainer, wie die Transformation der Nutztierhaltung in Deutschland im Spannungsfeld von Klima, Markt und Gesellschaft gelingen kann, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu gefährden. (Foto: David Inderlied)

Im Spannungsfeld von Klima, Markt und Gesellschaft

Die weltweite Nachfrage nach Fleisch wird bis 2050 um 20 Prozent steigen, in Europa bleibt sie stabil– das prognostiziert die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Ziel muss es sein, diese Nachfrage aus Ländern zu bedienen, die besonders klimaeffizient und tiergerecht Fleisch produzieren können. Und dazu gehört Deutschland in jedem Fall. Darin waren sich die Gäste und Redner beim 7. Symposium der Tönnies Forschung in Berlin einig.

Mehr als 160 hochkarätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Handel, Politik und Landwirtschaft waren der Einladung der Tönnies Forschung gGmbH, gemeinnützige Forschungsplattform der Premium Food Group, gefolgt – darunter Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Bei der zweitägigen Veranstaltung ging es vor allem um die Frage, wie die Transformation der Nutztierhaltung in Deutschland im Spannungsfeld von Klima, Markt und Gesellschaft gelingen kann, ohne dabei die Wettbewerbsfähigkeit und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland zu verlieren.

Kreislauforientierte Nutztierhaltung aus Sicht von Politik und Wirtschaft. Wer spielt welche Rolle, wer kann welchen Beitrag leisten? Diese Fragen diskutierten (v. l.) Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, Prof. Dr. Friedhelm Taube, Christian-Albrechts-Universität in Kiel, Johannes Remmel, NRW-Umweltminister a. D. sowie Maximilian und Clemens Tönnies, Geschäftsführende Gesellschafter der Premium Food Group.

Tierschutz und Nachhaltigkeit aus Überzeugung

Einigkeit herrschte dabei vor allem bei der Tatsache, dass Deutschland über exzellentes Know-How, moderne Infrastruktur und allerhöchste Standards beim Tierwohl und der Nachhaltigkeit verfügt. „Wir investieren aus Überzeugung in Tierschutz und Nachhaltigkeit“, sagte Robert Tönnies, Gesellschafter der Premium Food Group, bei seiner Begrüßungsrede im Rahmen des Symposiums. Er verwies dabei unter anderem auf die Ausweitung der Ringelschwanz-Prämie für Tiere der Haltungsformen 3 und 2 sowie den Gesundheitsbonus, den die Premium Food Group vor kurzem eingeführt hat. Er untermauerte damit die These, dass alles dafür getan werden müsse, den Gunststandort für Tierhaltung und Lebensmittelproduktion als eben solchen zu erhalten und ihn weiterzuentwickeln. Denn eine Abwanderung ins Ausland verbessere weder den Klimaschutz noch das Tierwohl – im Gegenteil.

Robert Tönnies

Eine beispiellose Transformation

Die deutsche Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren eine nahezu beispiellose Transformation hin zu höheren Haltungsformen und zu starken CO2-Einsparungen hingelegt. Damit dieser Weg weiter konsequent fortgesetzt werden kann, arbeitet die Tönnies Forschung mit seinen Projekten daran, die bestehenden Systeme weiterzuentwickeln und Potentiale vor allem im Bereich Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu heben. Doch das geht nicht allein durch Forschung. 

Franziska Elmerhaus

Verlässlichkeit und Vertrauen

Es braucht in erster Linie vor allem eins: verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik. Alois Rainer,  Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat, sagte in seiner Rede: „An Verlässlichkeit und Vertrauen arbeite ich seit Tag eins als Bundesminister.“ Vertrauen sei auch ein zentrales Stichwort für den Export. „Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal. Wir können damit weltweit Werbung machen“, so Rainer weiter. „Der Fleischkonsum nimmt weltweit zu und bietet daher viele Chancen für die deutsche Ernährungsindustrie. Wir unterstützen die Branche daher auch mit unserer Agrarexportstrategie.“   

Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza, Vorsitzender des Kuratoriums der Tönnies Forschung
Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza, Vorsitzender des Kuratoriums der Tönnies Forschung

Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, verwies zudem auf die wichtige Rolle der Eigenversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland. Die Lebensmittelindustrie habe gemeinsam mit der Landwirtschaft in Krisenzeiten wie Corona oder dem Beginn der Kriege in Russland und jetzt im Iran bewiesen, funktionsfähig zu bleiben, sich anzupassen und zu erholen. Dadurch sei die Ernährungssicherheit stets gegeben. In seinen Augen ein Schlüssel für Landwirtschaft und Wertschöpfungsketten. Die Einhaltung der Klimaziele von Deutschland sei sicher einfacher ohne Landwirtschaft. „Aber dann wären wir abhängig von Produzenten im Ausland mit deutlich schlechteren Standards“, sagte der ehemalige Bundesvorsitzende der CDU und betonte: „Verfügbarkeit von Nahrung ist etwas, das wir uns immer wieder in Erinnerung rufen müssen.“

Mehr als 160 hochkarätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Handel, Politik und Landwirtschaft waren der Einladung der Tönnies Forschung gGmbH, gemeinnützige Forschungsplattform der Premium Food Group, gefolgt.
Mehr als 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Handel, Politik und Landwirtschaft waren der Einladung der Tönnies Forschung gefolgt.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen um Deutschland mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, so sieht Unternehmer Clemens Tönnies die Aufgabe, die tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in enger Partnerschaft mit der Landwirtschaft tagtäglich in der Premium Food Group bewerkstelligen muss. „Nachhaltigkeit ist bei uns gelebte Praxis und Firmen-DNA. Das fängt bei uns in den Werken an und hört beim Futtermittel der Landwirte, die uns beliefern, auf“, sagte er im anschließenden Talk mit den drei Gastrednern. Er verwies auf die Klimaleistung der Landwirte und auf den jüngst neu berechneten CO2-Fußabdruck von Schweinefleisch innerhalb der Premium Food Group. „Der ist um mehr als 25 Prozent besser, als vor 10 Jahren. Und das ist vor allem der Verdienst der Bäuerinnen und Bauern, die einen tollen Job machen und ihre Bemühungen im Bereich Ressourcenschutz ernst nehmen“, betonte der Geschäftsführende Gesellschafter des Familienunternehmens. Der Sektor sei also auf dem Weg, den man konsequent fortsetzen müsse.

Nachfolgend die Vorträge der Redner am zweiten Veranstaltungstag in chronologischer Reihenfolge:

Prof. Dr. Hans Joachim Bätza
Eröffnung/Vorstellung und Stand der aktuellen Forschungsprojekte

Prof. Dr. Harald Grethe
„Klimachance Landwirtschaft und Ernährung“

Prof. Dr. Wilhelm Windisch
„Die Rolle der Nutzzierhaltung in einem zirkulären Ernährungssystem“

Prof. Dr. Stephan Schneider
„Fütterung – wo liegen die echten Innovationen?“

Prof. Dr. Friedhelm Taube
„Die Rolle der organischen Dünger in einer zirkulären Landwirtschaft“

Franziska Elmerhaus
„Wo stehen wir als Premium Food Group mit unseren Lieferanten?“

Im Dialog

Fotograf David Inderlied hat das Geschehen beim Symposium mit der Kamera festgehalten. In unserer Galerie gibt es eine Auswahl an Bildern, die am 16. und 17. März 2026 im Hotel de Rome in Berlin entstanden sind.

Die gemeinnützige Tönnies Forschung hatte Akteure aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Politik zu seinem 7. Symposium nach Berlin eingeladen. Im Fokus stand die Frage, wie die Transformation der Nutztierhaltung in Deutschland im Spannungsfeld von Klima, Markt und Gesellschaft gelingen kann, ohne dabei die Wettbewerbsfähigkeit und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland zu verlieren.

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Wie ist der Stand der Wissenschaft?

Während des Symposiums sind wissenschaftliche Poster zu den aktuell von der Tönnies Forschung gGmbH geförderten Projekte gezeigt worden, die wir Ihnen hier gerne zur Verfügung stellen.